One comment on “Ein paar Eindrücke aus Malawi

  1. Hallo Claudia,
    Ihr erlebt Malawi in und gegen Ende der Regenzeit. Soweit südlich des Äquators gibt es nur eine und die beginnt im November und endet im Aprlil. Es regnet mitunter sehr heftig, doch sich diese Wolkenbrüche eher im Januar und Februar. Sonst regent es regelmäßig doch oft nur ein zwei Stunden am Tag. Jetzt, gegen Ende der Regenzeit, blüht das Land und die Ernte ist reif. Ernten kann man, sofern man nicht künstlich bewässert, je nach Pflanze schon Ende Okrober und bisweilen noch weit in den Mai. Dies ist die Zeit der Fülle. Danach und bis November kann man höchstens einen winzigen Garten bewirtschaften und oft sogar den nicht mehr. Praktisch alle Lebensmittel müssen, sobald die Vorräte aus dem Überfluss verzehrt sind, eingeführt werden. Inzwischen hat man die Regeln etwas verschärft, doch ein guter Teil der eben nur zeitweise im Überfluss vorhandenen Ernte wird exportiert. Abnehmer sind der Kongo und sogar Übersee. Viel Geld ist mit der Landwirtschaft nicht zu verdienen, da in allen umliegenden Ländern zugleich Überfluss herrscht. Im Grunde haben nur die Kongolesen auch in der Zeit zu wenig Nahrungsmittel.
    In der Trockenzeit hilft nur künstliche Bewässerung. Solche ist noch selten in diesen Ländern, ebenso Gewächshäuser. Mein Sohn Max hat das im südlichen Kongo versucht. Jetzt und die nächsten Jahre werden sie aber nur Mais anbauen. Eventuell in 5-10 Jahren kann man wieder an Anbau während der Trockenzeit denken. Bisher sind dort 15 Millionen US$ beim Versuch draufgegangen. Wer Wasser jedoch nutzen kann wird reich.
    Malawi verfügt über Bodenschätze (Steinkohle, Uran, Niob, Phosphat, Quarzsand, Silizium, Grafit). Die Bodenschätze werden praktisch alle von ausländischen Firmen (z.B. Australien) abgebaut. Die einheimischen Arbeiter stellen sich dabei etwas besser als die Bauern. Eine „landbesitzende“ Schicht wird durch die Bodenschätze stets, selten durch bewässerte Landwirtschaft, jedoch sehr reich. Wie in den umliegenden Ländern verschwinden internationale Hilfsgelder in den Taschen der Reichen. Organisierte Korruption saugt vorhandenes Geld nach oben. Polizisten etwa kaufen sich den Job, müssen dafür aber von dem erpressten Geld einen Teil nach oben abführen. Im Kongo z.B. werden Militär und Polizei nicht bezahlt, sie kassieren einfach bei jedem der was hat, auch (und gerne) bei den Weißen.
    Das reicht für „gutes“ Leben. Dabei müssen sie aber stets nach oben zahlen um den Posten zu behalten. Wer besser zahlt wird befördert. Je höher der Rang, desto mehr Anteile an den Einnahen kommen von unten.
    Unter diesen Umständen geht die Schere Arm und Reich immer weiter auseinander. Eine Veränderung ist beim besten Willen einfach unmöglich. Erst müßte man diese privilegierte Schicht und deren System beseitigen. Bedauerlicherweise ist eher das Gegenteil der Fall.
    Bernd Winter

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