Der erste Ruhetag in Botswana ist in Maun. Maun liegt direkt östlich vom Okovango-Delta und ist so die Ausgangsbasis für Safaris und Rundflüge. Wir starten zu einen 45-minütigen  Rundflug in einem kleinen 7-Sitzer. Ich “muss” neben dem Piloten sitzen (so ein Mist *grins*…). Von oben sehen wir die beeindruckende Landschaft des Deltas, eine Elefantenherde durchquert einen Fluß, eine Giraffe rupft Blätter vom Baum. Fliegen – der Traum der Menschen. Von hier oben offenbaren sich ganz neue faszinierende Perspektiven auf die sowieso schon atemberaubend schönen Landschaften und die Tierwelt Afrikas!

Olli im Flieger Okovango Delta Antilopen

Blick auf die Wasserwelten des Delta

Blick auf die Wasserwelten des Delta

nach dem Rundflug

nach dem Rundflug

Die Tagesetappen durch Botswana versprechen lange Tage auf dem Rad: 140 Kilometer sind bereits eine “kurze” Etappe. In den fünf Tagen bis nach Maun stehen 2 Tage mit über 170 Kilometern an. Dafür ist die Landschaft flach, flach, flach. Die Straßen ziehen sich schnurgerade durch die Savanne mit ihren herrlich leuchtenden Farben.SONY DSC
SONY DSCIn den ersten Tagen radeln wir durch von Elefanten besiedeltes Land. Deswegen haben wir sogar einen Elefanten-Experten dabei, der nach den Tieren Ausschau hält – und eventuell Radfahrer warnen soll, falls sie in eine aggressive Herde reinfahren würden… Leider bleibt uns (Tobi, Olli, mir) die Begegnung mit Elefanten nicht vergönnt. Auf über 700 Kilometern, kein einziger! Nicht mal ne Giraffe lässt sich blicken. Andere haben mehr Glück und posieren mit ihren Fahrrädern vor den grauen Riesen. Immerhin: am zweiten Tag stiefeln abends zwei Elefanten nicht weit vom Camp durch den Wald. Was eine Mitradlerin dazu veranlasst, trotz starken Harndrangs die ganze Nacht drauf zu verzichten, auf’s Kloo zu gehen!

Die einzigen Tiere, die wir auf der Straße sehen, sind Kakerlaken-ähnliche Käfer, die in meist suizidaler Absicht quer über die Straße vor unsere Reifen laufen. Und fürchterlich knacken, falls man drüberfährt! Hier ein Exemplar, das es sich auf Olli’s Radl gemütlich gemacht hat.

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was passiert, wenn man Bäume fällt… ein sehr lehrreiches Bild!

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Nicht wirklich sympathisch!

Gleich hinter Grenze erstreckt sich entlang der Grenze von Botswana zu Namibia der Chobe River mit dem gleichnamigen Nationalpark. Unser erstes Camp in Botswana liegt direkt am Fluß und wir brechen zu einer River Cruise auf. Die Flußpferde bewegen sich ohne Grenzkontrollen zwischen Namibia und Botswana… zwischendurch streikt – ganz in afrikanischer Manier – unser Boot und kann auch mit Fahrrad-Multitool nicht mehr zum Laufen gebracht werden. Zurückwandern scheidet aufgrund der unfreundlich wirkenden Flußbevölkerung aus! Eine Ersatzbatterie, von einem weiteren Boot herangeschafft, macht den Kutter wieder flott.

In Livingstone ist Tobi zu uns gestoßen, ein guter Freund. Seine erste Radl-Etappe ist zwar kurz – quasi zum Eingewöhnen – dafür gleich mit afrikanischem Höhepunkt: Fähr-Überquerung des Sambesi! Schon vor Kazungula, wo die Fähre ablegt, radeln wir an Kilometerlangen LKW-Schlangen vorbei. Hier ist der einzige Ort, wo gleich vier Länder zusammen treffen: Sambia im Nordosten, wo wir herkommen; südlich davon liegt Simbabwe, von Nordwesten schiebt sich Namibia’s Caprivi-Zipfel an den Sambesi und im Südwesten liegt Botswana. Da wollen wir hin! Die Gebete auf der Fähre hätte es wahrscheinlich nicht gebraucht. Jedenfalls kommen alle Radler, Fahräder, Trucks… unbeschädigt in Botswana an!

Unter allen Teilnehmern, die Fundraising-Aktivitäte laufen haben, haben die Veranstalter schöne Preise verlost: Bungee-Sprünge, Rundflüge, Wein… ich habe Glück und gewinne eine Elefanten-Safari! Eine Stunde reiten wir auf den Dickhäutern durch den Mosi Oy Tunya Nationalpark. “Mein” Elefant – Nandi – ist erst drei Jahre alt und kann deswegen nur zwei Personen tragen. Alle anderen Teilnehmer sind zu dritt auf einem Tier unterwegs. Nandi ist nicht ganz so einfach zu bändigen – hin und wieder bricht sie aus. Mit zwei Elefanten aus der Gruppe versteht sie sich nicht so gut. Die müssen wir meiden. Wir (also mein “Reiter” und ich) haben viel Spaß mit Nandi. Sie lässt sich füttern und kraulen. Ähnlich wie die Löwen, mag ich sie gar nicht mehr zurücklassen!

In Lusaka war Olli und mir ein Plakat aufgefallen: Walking with Lions – Spazierengehen mit Löwen. Die Farm lag leider ein ganzes Stück außerhalb von Lusaka. Nicht genug Zeit also.. aber: wir finden einen ähnlichen Veranstalter in Livingstone! Ganz klar: aus all den Aktivitäten, die sonst so in Livingstone angeboten werden, ist DAS das, was wir machen wollen. Mit Löwen spazierengehen, interagieren, sie streicheln… und Cheetahs(Geparden) gibt es auch. Im “Kombi-Package” ist’s billiger… also buchen wir gleich beide! Die Löwen werden in einer Lodge aufgezogen zu dem Zweck, ihre Nachkommen später in einem Privaten Game Reserve auszuwildern. Deren Nachkommen wiederum sollen vollständig in die Freiheit entlassen werden. So hilft die Lodge mit, den Bestand der gefährdeten Tiere zu sichern.
Wir bekommen eine kurze Einführung, wie wir uns den Tieren nähern sollen (von hinten, immer reden…). Falls ein Löwe zu Tatzen anfängt, sollen wir den Stecken benützen, den wir bekommen haben: sie wollen nur spielen… aber da die Tatzen doch ganz schön stark sind, ist es besser, wenn sie mit dem Stecken spielen und nicht mit unseren Händen!
Vorsichtig nähern wir uns den imposanten Tieren. Wir dürfen sie streicheln. Allerdings müssen wir es kräftig tun – zu schwaches Streicheln würde sie kitzeln, und das mögen sie nicht! Die Geparden schnurren sogar – klingt wie ein gemütlich vor sich hinbrummelnder Dieselmotor…
Nach den Streicheleinheiten dürfen wir mit den Tieren spazieren gehen. Die Löwen sind faul – oft müssen wir sie anschieben, wenn sie mal wieder stehenbleiben oder spontan beschließen, umzufallen und einfach liegen zu bleiben. Als Leine dient der Schwanz..

Die Geparden dagegen werden an einer wirklichen Leine spazieren geführt. Falls ein Gepard erschrickt, läuft er sonst weg. Davon werde ich gleich “live” Zeuge: ich führe gerade eines der beiden eleganten Tiere, als ein Elefant ein ungewohntes Geräusch macht. Zum Glück haben uns die Guides vorher noch angewiesen, die Leine nur in der Hand zu halten und nicht z.B. um die Hand rum zu wickeln – der Gepard hätte mich wohl glatt mitgezogen, so stark ist er, als er sich urplötzlich losreißt!

Es ist gar nicht so leicht, sich von den süßen großen Katzen wieder los zu reißen. Hoffentlich begegnet mir nie eine in freier Wildbahn. Bin mir nicht sicher, ob ungezähmte Löwen sich auch so begeistert streicheln lassen…

 

Ein Besuch der berühmten Victoria-Fälle darf natürlich nicht fehlen. Wo man schon mal
hingeradelt ist… sogar von unserem Hotel aus können wir die Gischt der Fälle (ca. 6km
entfernt) erkennen.

Nur ein kleiner Ausschnitt der riesigen Fälle

Nur ein kleiner Ausschnitt der riesigen Fälle

Fotografieren ist schwierig, da das Hochwasser der Fälle die Sicht schwer macht. Und nass wird man in jedem Fall!

Auf der Brücke hätte man bei Niedrigerem Wasserstand einen guten Blick. Und wer bleibt schon gerne stehen, wenn's pitschnass macht??

Auf der Brücke hätte man bei Niedrigerem Wasserstand einen guten Blick. Und wer bleibt schon gerne stehen, wenn’s pitschnass macht??

 

Nur ein kleiner Ausschnitt der riesigen Fälle

Nur ein kleiner Ausschnitt der riesigen Fälle

Ein kleiner Seitenarm im Abendlicht

Ein kleiner Seitenarm im Abendlicht

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Für die letzten Kilometer nach Livingstone – der “Adrenaline Capital” of Africa – haben sich die Veranstalter von Tour d’Afrique etwas besonderes einfallen lassen: hierzulande trifft man ja immer wieder auf Fahrräder der Marke Phoenix (oder Atlas… aber gleiche Bauart). Oft beladen bis oben hin, immer klappert und quietscht was, meist sitzen mehr als eine Person drauf (siehe das Foto von dem armen Hühnchen!!). Da kam die Idee auf, wer möchte, könnte ja mal eine Etappe mit so einem Eisen-Ross fahren. Die sind noch schwerer als mein (als Heavy Metal verschrienes) Fahrrad! Ein Atlas/Phoenix kostet neu ca. 100 Dollar. Die Fahrräder würden in Livingston im Rahmen der offiziellen Bike Donation (Fahrradspende) weiter an lokale Institutionen abgegeben werden.
Normalerweise werden diese Fahrradspenden von der Tour d’Afrique Foundation getragen: für jeden Teilnehmer spendet die Firma ein Fahrrad an eine lokale Institution. Auch wir Teilnehmer können natürlich für diese Institution Spenden sammeln (wenn wir, wie ich, nicht schon eine andere Institution haben, für welche wir sammeln). Die Fahrräder, auf welchen wir “racen” würden, kommen dazu!

In Lusaka hat die Crew also einen der lokalen Läden leergekauft und 15 hochglänzende Atlas Bikes erstanden für die Teilnehmer, die gerne die 100 Dollar spenden möchten. Hochglänzend funkeln die Räder auf unserem Campingplatz. Allerdings glänzen die Teile nur von außen – schon bei den ersten Campingplatzrunden fällt die nicht allzu erstklassige Verarbeitung auf… die Funktionsweise der Bremsen ist uns nicht ganz klar; die Sättel sind aus Plastik und hängen meist schief und die Instruktionen auf den Reifen lautet: Hart aufpumpen. Wie hart – keine Ahnung. Schaltung: Fehlanzeige! Alex, unser Mechaniker, hat an dem Abend vor dem Rennen so viel zu tun, dass er sich Ross und Helen als Assistenten holen muss, um die Räder zumindest einigermaßen verkehrssicher zu gestalten. Natürlich geht es bei dem Rennen nicht nur um Schnelligkeit, sondern auch um die schönste Beladung, das schnellste Team, usw… In Sambia hatten wir gesehen, wie sogar Ziegen und häufig einige Meter hohe Stapel von Holzkohle auf Phoenix Rädern transportiert werden!

Ab der Mittagspause geht’s los. Noch schnell ein paar Blümchen angebracht – hier zählt die Ästhetik! Dann rauf auf die schwankenden Ungetüme. Catherine und Sigrid, beide normalerweise mit ultraleichten Rennrädern unterwegs, bilden ein Team. Auch Steven und Kim gehen gemeinsam an den Start. Amanda versucht’s alleine. Bei Birgit und Scott bilden sich schon auf den ersten Metern Blasen (!) in den Reifen!

Unglaublich: die Räder sind mit 100 Dollar ja nicht gerade superbillig. Gerade für afrikanische Einkommensverhältnisse. Trotzdem ist die Qualität einfach so grottenschlecht, dass man sich sowas in Europa noch nicht mal im Baumarkt würde verkaufen trauen. Und keiner scheint sich drüber zu beschweren – es wird einfach repariert! Auch auf den 50 Kilometern bis nach Livingstone müssen die Racer einige Reparaturpausen einlegen. Wichtigste Utensilien: der mitgelieferte Multi-Ringschlüssel und ein großer Stein – um verbogene Teile wieder zurecht zu klopfen!
Nach der Zeremonie für die Bike Donation werden die Gewinner der verschiedenen Kategorien bekannt gegeben: bei den Männern gewinnt David, der auch das normale Rennen anführt. Und das, obwohl ihn Ina quasi in’s Ziel geschleppt hat! Ian hat zwei Bierkästen aufgeladen und gewinnt (natürlich!) den Preis für die beste Fracht. Amanda hat bei den Frauen die Nase vorn. Olli und ich hatten nur als Fotografen fungiert…

Seit fast drei Monaten fahre ich nun mit dem Fahrrad durch Afrika. Mit einer vorgeplanten Tour – als “Expedition” (oder für manche als “härtestes längstes Radrennen der Welt”). Im Sudan, wo wir durch brütende Hitze gestrampelt sind, haben wir auf Äthiopien gehofft. Berge, Kühle, abwechslungsreichere Landschaft. Alles wahr – aber da waren eben auch die Kinder, die uns das Leben schwer gemacht haben; das schwierige Gelände, die vielen Höhenmeter. Erst in Kenia wurde die Tour etwas einfacher. Nach Nordkenia fanden wir zwar noch Wüste und haben auf den Lavasteinen viel geflucht, dann aber ging’s bis Tansania auf Teerstraßen weiter. Zwischendrin eine Woche in Tansania noch mal Offroad hab ich auch noch ganz gut weggesteckt. Zugegeben, die Regenzeit und damit verbundene nasse Zelte haben mir trotzdem zugesetzt. Schwüle in Malawi, und jetzt die Hitze in Sambia… die Tages-Distanzen sind meist über 150 Kilometer lang. Und ich merke, wie ich immer müder werde.  Ein Rest day reicht mir oft nicht aus, um so zu erholen, dass ich die nächsten vier-fünf Tage “on the Road” einigermaßen überstehen kann.

Seit fünf Tagen ist Olli bei mir. Ein Segen, denn ich habe Heimweh… und teilweise einfach keine Lust mehr, morgens schon wieder auf’s Fahrrad zu steigen und zu wissen, dass wieder mal ein langer Tag auf Pedalen vor einem liegt. Zu Zweit macht’s wieder Spaß! Und trotzdem merke ich, dass die Beine schneller schwer werden, als das noch vor einem Monat der Fall war. Oft bin ich frustriert: die Anderen aus der Gruppe scheinen alle viel schneller an Form und Ausdauer zuzulegen als ich. Wieso bin ich eigentlich meist als Letzte im Camp, selbst wenn ich als Erste starte. Mir dabei oft noch nicht mal die Zeit nehme, zwischendurch für ein Foto anzuhalten. Und wieso kann ich Berge nur im Schneckentempo raufkrabbeln, wo mittlerweile selbst die schwächeren Radler mit immerhin 10 km/h hochbiken???

So ganz schaffe ich es noch nicht, trotzdem stolz zu sein auf das, was ich schon erreicht habe. Mich nicht mit den Racern zu messen und den anderen Radlerkollegen – die meist eine längere Radl-Vorgeschichte haben als ich. Cross Canada, Triathlon, Hobby-Radrennen. Nicht nur die 10 Kilometer zur Arbeit und zurück wie ich… Ich habe mir einfach eine Reise rausgesucht, die für einen durchschnittlichen Radler wie mich nur mit Abstrichen (zusätzlichen Rasttagen, halben Etappen…) machbar ist. Punkt!

Mit dieser Einsicht werde ich versuchen, die verbleibenden 4000 Kilometer bis Kapstadt zu genießen. Und auch wirklich nur die Teilstrecken zu fahren, die ich auch angenehm fahren kann. Mich nicht zu quälen, mit dem Seitenblick auf andere, die die 170km-Etappe mal wieder scheinbar mühelos absolviert haben. Sondern stolz zu sein auf das, was ich geschafft habe: trotz mancher Teilstücke, die ich nicht in die Pedale getreten bin, Afrika von Nord nach Süd auf dem Fahrrad durchquert zu haben!

NACH HAUSE TELEFONIEREN!!!  Geschafft von einer langen Radl-Woche gönne ich mir zusammen mit Olli ein kuschliges Bett im Hotel, anstatt schon wieder im Zelt zu übernachten. Obwohl man vor einem Rest day ja abends mal einen drauf machen könnte, sind wir spätestens um zehn Uhr todmüde im Bett...

NACH HAUSE TELEFONIEREN!!!
Geschafft von einer langen Radl-Woche gönne ich mir zusammen mit Olli ein kuschliges Bett im Hotel, anstatt schon wieder im Zelt zu übernachten. Obwohl man vor einem Rest day ja abends mal einen drauf machen könnte, sind wir spätestens um zehn Uhr todmüde im Bett…

 

 

In Lusaka bummeln  Olli und ich gemütlich durch die Manda Hill Mall – ein westliches Einkaufszentrum, das alles bietet was das Herz begehrt (außer: Chio Chips Hot Peperoni… die habe ich leider nicht gefunden :-( … )

Der Sony Flagship Store: man bekommt hier 3D-Flachbild-Fernseher, MP3-Player, Digitalkameras und natürlich die neuesten Handymodelle. Und – in unserer westlichen Welt kaum mehr zu finden: echte Ghettoblaster! Wo unser Europäisches Herz darauf pocht, zu minaturisieren und to simplify, möchte man in Afrika noch gerne zeigen, was man hat: Je teurer, desto größer muss eine Ware sein. Noch vor ein paar Tagen hatte mir eine Radlerin erzählt, wieso eine Firma, welche günstige Solarlampen für den afrikanischen Markt angeboten hat, fast gescheitert wäre: die Solarlampen waren schlichtweg nicht groß genug! Als man schließlich eine (nutzlose, aber Statusobjekt-förderliche) Plastikhülle zugefügt hatte, verkauften sich die Lampen wie warme Semmeln…

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Im Shoprite Supermarkt, an der Kasse, fällt uns ein kleines Schächtelchen auf: Kondome, für alle, einfach zugreifen! Eine einfache Methode, um es den Frauen in Sambia etwas einfacher zu machen, vielleicht nicht alle neun Monate schon wieder ein Kind gebären zu müssen…. solange der Mann mitmacht.

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Vor drei Tagen hatte uns die Inhaberin des Luangwa River Camps – in recht kolonialistischer hochnäsiger Manier – erklärt, wie das mit dem Kinderkriegen in Sambia so ist: es stünden sogar kostenlose Verhütungsmittel (Spritzen, die sich die Frauen verabreichen lassen können) zur Verfügung. Die Frauen würden auch gerne verhüten, um nicht so viele Kinder gebären zu müssen. Aber: die Männer lasen sie nicht. Regelmäßig Kinder zu bekommen, ist hier ein Statussymbol der Männlichkeit. Da nähme man dann mal auch in Kauf, dass mal eins stirbt, wenn aufgrund der schieren Masse kein Geld für Medikamente vorhanden sei… in neun Monaten käme ja ein neues… so die etwas zynische Erklärung der Dame aus England.

Dazu passt auch die Werbung, die wir an einen Baum gepinnt in Lusaka finden:

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Aber, anders als in Äthiopien, habe ich hier nicht den Eindruck, dass es den Menschen an etwas fehlt: es wird nur wenig gebettelt, Kinder wie Erwachsene wirken zufrieden und gut ernährt. Vielleicht ist es doch nicht überall angebracht, den Einheimischen unsere westlichen Denkweisen beibringen zu wollen!